Es soll also ernst werden? Ihr wollt eueren Einstieg ins Liverollenspiel planen und fragt euch nun, was man beachten muss? Vielleicht kann euch dieser kleine Planer bei euerem Einstieg helfen. Geht dazu einfach nur die Punkte der Liste durch. Natürlich wird alles einfacher, wenn ihr schon genau wisst was ihr wollt und noch einfacher, wenn ihr Bekannte habt, die schon längst Larper sind.
Punkt 1: Was will ich überhaupt?
Das solltet ihr euch gut überlegen! Was für ein Larp wollt ihr überhaupt? Steht ihr auf historische Sachen, mit echten Waffen etc.? Dann sein ihr beim Larp falsch und solltet euch nach Reenactment umschauen.
Larp ist nicht gleich Larp. Verschiedene Welten, verschiedene Kulturen, verschiedene Genres. Hier ein kleiner und nur grober Überblick:
- Fantasy: Standard will ich mal sagen. Es gibt viele Welten, Kampagnen, Regeln und die meisten Larper spielen wohl Fantasy. Das Angebot an Waffen und Ausrüstung ist gigantisch, die überwiegende Mehrzahl an Cons ist auf Fantasy ausgerichtet.
- Vampire & Co: von den dunklen Geschichten ist Vampire wohl am häufigsten vertreten. Wenn man weiß wo es gespielt wird, dann hat man auch hier ein gutes Angebot. Natürlich ist hier eine andere Ausrüstung erforderlich.
- Cyberpunk, Endzeit, Ferne Zukunft: Hier gibt es weniger Angebot, aber immerhin gibt es Angebote! Hört man selten was von, aber wem das besser gefällt, der ist hier gut aufgehoben!
- Piraten oder Western: auch diese Art des Larp hat ihre Fangemeinde! Kettenhemden sind hier eher unpassend.
- Horror und noch böserer Kram als Vampire: wer den totalen Nervenkitzel sucht, der kann auch hier bedient werden.
Wichtig ist das ihr wisst was ihr wollt. Je nach dem was es wird braucht ihr eine andere Ausrüstung, andere Regeln usw.
Punkt 2: Was für einen Charakter will ich? (Regeln sind erst mal egal)
Was soll der Satz „Regeln sind erst mal egal“? Ganz einfach: erschafft euere Charaktere nicht nach Regelwerken sondern in eurem Kopf! Und dann versucht sie durch Regelwerke in die Spielwelt zu übertragen!
Wichtig ist was euch gefällt. Der gute Paladin, der weise Magus, die edele Elfe, der schmierige Söldner, ein hoher Adeliger, Diebe, Mörder, Orks und und und. Und das war nur Fantasy!
Wenn ihr wisst was ihr wollt wird der Rest nicht schwer! In den Regeln steht alles nötige, die Ausrüstung wird dem angepasst und dann geht alles von alleine. Wichtig sind aber folgende Punkte:
- Übertreibt es nicht! Keine nervigen Halbdämonen-Zwergen-Dieb-Elfen-Paladiene! Auch einfache Charaktere stecken voller Potential!
- Ihr werden aller Wahrscheinlichkeit auch In-Time (also im Spiel) Anfänger sein. In den meisten Regelwerken werdet ihr euch hocharbeiten müssen! Also werdet ihr wohl nicht als Meistermagier anfangen, sondern als Lehrling. Nicht als Herzog, sondern als Knappe.
- Ihr müsst euere Rollen auch darstellen können. Wer 2 Meter groß ist, der ist ein schlechter Zwerg. Mit 180kg wird der Elf etwas komisch… tut mir leid es so zu sagen, aber das ist die bittere Realität. Natürlich könnt ihr es trotzdem durchziehen, aber dann braucht ihr ein dickes Fell.
Die meisten Orgas helfen euch gerne bei der Charaktererschaffung. Ihr werdet sehen, dass ist gar kein Stress. Deswegen müsst ihr am Anfang gar nicht so viel über die Regeln wissen. Und das ist dann auch meine Überleitung:
Punkt 3: Was muss ich über die Regeln wissen?
Wie erwähnt gibt es unterschiedliche Regelsysteme mit immer anderen Besonderheiten. Deswegen gehe ich hier nur auf Allgemeinheiten ein:
- Trennt In- und Out-Time: In-Time ist das Spiel, also die Wirklichkeit um eueren Charakter. Out-Time ist die wirkliche Wirklichkeit. Und in der wirklichen Wirklichkeit gibt es so was wie sexuelle Belästigung, gebrochene Nasen und heftige Beleidigungen. Also trennt diese beiden Welten ja von einander! Geh nicht zu weit, man kann auch In-Time was machen und sich Out-Time entschuldigen!
- Die wichtigsten Befehle:
1. Stopp: das Spiel wird sofort unterbrochen. Wenn irgend jemand das ruft (wenn es sein muss auch ihr), dann ist irgendwas passiert. Ein grober Regelverstoß, ein Unfall… was auch immer. Wichtig ist wirklich das alles aufhört! Das Spiel pausiert.
2. Freez: Das Spiel wird eingefroren. Ihr bleibt wie Statuen in euere Handlung stehen. Es wird nur kurz dauern, wegen kleinen Problemen. Auch das kann jeder schreien.
3. Sanitäter: Das ist der Notfall! Das Spiel wird sofort unterbrochen. Wer das schreit meint es ernst! Verwechselt das nicht mit dem In-Time-Ruf „Heiler“.
- Du kannst was du kannst: Wenn du nicht mit einem Schwert kämpfen kannst, wirst du Probleme haben. Weil mit würfeln ist hier nicht. In einigen Regelsystemen muss man sich Fertigkeiten einkaufen, darf dann aber auch mit einem Feuerzeug Feuer machen.
- Spielt es aus! Spielt alles aus! Ob ihr nun mit einem Feuerzeug Feuer macht, ob ihr einen Kranken heilt oder was weiß ich, spielt es aus! Es soll toll aussehen was ihr macht! Besonders wichtig ist das im Kampf! Werden euere Beine getroffen, dann humpelt, euer Arm kann lahm werden bei Treffern, Pistolen oder Armbrüste hauen euch direkt um. Glaubt mir eins: nichts ist nerviger als ein Gegner der seine Treffer nicht ausspielt. Ihr wollt doch auch, dass euere Gegner eure Treffer bemerken…
- Ganz wichtig: Vorsichtig mit allem was ihr macht! Gefährdet niemanden! Das heißt niemanden die Treppe runter stoßen und auch nicht mit voller Wucht zuschlagen. Das könnte man noch ewig weiterführen, aber kurz: hört auf die Orga und eueren gesunden Menschenverstand
Punkt 4: Wie spielt man richtig?
Hier ist die Frage ob es ein „Richtig“ überhaupt gibt. Beachtet natürlich die Sicherheit, die Regeln und das was ich in Punkt 3 schon schrieb. Spielt eueren Charakter richtig aus. Redet wie er reden würde, benehmt euch wie er es würde. Es gehört halt ein bisschen Theaterspielen dazu.
Stimmung erzeugt man durch dieses Spiel und durch das wahre Leben! Singt passende Lieder, man darf auch Streitereien anfangen. Diskussionen können nett sein, müssen es aber nicht. Wenn ihr als Paladin mit einem Ork über Menschenrechte streitet, dann läuft wohl was falsch. Da sollte man lieber einen drauf geben.
Kurz gefasst: richtig spielt ihr wenn es euch und euerer Umgebung Spaß macht! Bedenkt immer, ihr seid nicht alleine! Und auch wenn ihr Feinde habt, ihr spielt zusammen, nicht gegeneinander!
Punkt 5: Ausrüstung und Waffen
Was ihr am Anfangt braucht, ist von dem abhängig, was ihr spielt und in welchem Genre ihr euch befindet.
Ein guter Rat von mir: fangt klein an! Startet nicht voll durch, die großen Ausgaben kommen später von ganz alleine. Eine Waffe (normalerweise ein Schwert), ein paar Stiefel oder passende Schuhe, Klamotten (Hose und Hemd) – fertig! Noch einen Gürtel der alles zusammenhält. Joa, für den ersten Con reicht das, ganz ernsthaft! Danach werdet ihr von ganz alleine wissen, was ihr haben wollt. Ich rate jedem Flohmärkte, lokale Händler und das Internet zu überprüfen
Punkt 6: Wo finde ich Cons
Jetzt wird es interessanter. Im Internet gibt es wenigstens zwei Adressen:
www.larpevents.de oder
www.larpkalender.de
Aber obwohl die Auswahl hier riesig ist, es sind nicht alle! Sucht bei Händlern (die haben öfter Flyer), benutzt Suchmaschinen und was weiß ich! Die meisten Orgas haben eigene Internetseiten, wo sie Termine, Regeln und ihre Welten bekannt geben.
Punkt 7: Wie überzeuge ich meine Eltern?
16 solltet ihr wenigstens sein. Unter 16 wird euch in der Regel keiner nehmen. Muss auch echt nicht sein. Nun, ihr seid also 16 oder älter aber noch nicht 18? Wie bekommt ihr euere Eltern überzeugt, die eigentlich nur Vorurteile haben? Vielleicht hilft es euch mich hier wörtlich zu zitieren (da habt ihr meine Erlaubnis zu):
Wer euch sagt Larp ist gefährlich hat nicht unrecht! Immerhin hauen wir uns mit Polsterwaffen und obwohl die nicht echt sind, die Dinger haben Wumms! Aber na und? Heute ist es gefährlich zu duschen oder über die Straße zu gehen! Larp ist dadurch ziemlich sicher, dass viel Wert auf Einhaltung der Regeln gelegt wird!
Gerade weil etwas passieren könnte sind alle Spieler aufgefordert ihre Mitspieler nicht zu gefährden! Deswegen fliegen Leute die mit Fäusten zuschlagen oder ihre Schläge mit Schwertern nicht abstoppen sehr schnell von Veranstaltungen. Schläge auf den Kopf, auf die Weichteile oder Hände sind ebenfalls verboten, genau wie echtes Boxen oder anderer Kampfsport (keine Panik: es geht auch so gut ab).
Das Argument,nur Verrückte würden so was machen, stimmt auch nicht. Es ist nachgewiesen, dass man beim Larp gut entspannen kann. Immerhin ist es etwas total anderes als die blöde Realität.
Solange ihr es nicht übertreibt nimmt auch euer Gehirn keine Schäden. Wenn ihr im Geschichtsunterricht jedoch anfangt über epische Schlachten zwischen Orks und Elfen auf der Drachenebene zu erzählen, dann solltet ihr eueren Larpkonsum etwas zügeln.
Das schöne beim Larp ist das ihr unter Menschen seid und echt kreativ sein müsst! Ist das nicht besser als nur in der Bude rum zu hängen oder die Straßen unsicher zu machen?
Ich hoffe, ich konnte euch helfen. Wenn ihr Fragen habt: immer her damit! Ins Forum posten oder mich anmailen! Das gilt auch wenn ich was vergessen habe! Ansonsten wünsche ich euch viel Spaß beim larpen!